Das Startup produziert Mikrolebern und Mikrotumore in 3D, die aussagekräftige Tests ermöglichen. Genutzt werden sie von namhaften Betrieben aus Pharma, Kosmetik und Chemie. Die Jungfirma wurde 2010 gegründet und hat mittlerweile 22 Mitarbeiter.
Die Pharmabranche ist unter Druck. Die Sparanstrengungen wirken sich auf die Margen der erfolgsverwöhnten Medikamentenhersteller aus. Gleichzeitig steigen aber die Anforderungen an die Zulassung von neuen Arzneimitteln, was die Kosten erhöht. Und neue Technologien
machen zwar ständig neue Ansätze in der Medikamentenentwicklung möglich, sind aber nicht nur teuer, sondern auch risikoreich. Die Kosten für eine gescheiterte Produktentwicklung können dabei durchaus im dreistelligen Millionenbereich liegen.
Allerdings sind die Abschreiber nicht immer so hoch. Der Weg zu einem neuen Medikament besteht aus mehreren Schritten. Zuerst wird in vitro, das heisst im Reagenzglas, entwickelt, dann folgen Tierstudien. Nach dieser sogenannten präklinischen Phase wird der Wirkstoff am Menschen getestet. Dies ebenfalls in mehreren Phasen mit einer zunehmenden Anzahl von Studienteilnehmern. Jeder Schritt ist teurer als der vorhergehende. Je eher ein untauglicher Wirkstoff gestoppt
wird, desto besser.
«Genau hier setzen wir an», sagt InSphero Chef Jan Lichtenberg. Das Jungunternehmen aus dem Technopark Zürich produziert dreidimensionale Gewebeproben, welche die Invitro Tests aussagekräftiger machen. Bisher bestehen Gewebeproben nur aus einer einzigen Schicht von Zellen und sind in diesem Sinne zweidimensional. Sie verhalten sich nur bedingt wie reale Organe. Zudem sind die sogenannten Zellteppiche nur einige Tage haltbar.
Derzeit produziert das 22-köpfige Jungunternehmen Tumor und Lebergewebe. An den stecknadelkopfgrossen Mikrolebern lassen sich die Vorteile der Technologie besonders gut zeigen. Scheitert eine Wirkstoffentwicklung, dann häufig, weil die Substanz die Leber angreift. Mit den bisher üblichen präklinischen Tests wird die Schädlichkeit aber in 50 Prozent der Fälle nicht erkannt. InSphero kann diese Quote allein schon wegen der besseren Haltbarkeit ihrer Proben steigern. Dadurch können Forscher überprüfen, wie sich die mehrfache Einnahme einer bestimmten Substanz über mehrere Tage auswirkt oder ob in der Leber aus einem an sich harmlosen Ausgangsstoff giftige Spaltprodukte entstehen.
InSphero, erst 2010 mit dem Startkapital von venture kick sowie von Business Angels gegründet, hat namhafte Kunden. Darunter befinden sich viele der weltweit grössten Pharma unternehmen. Doch das Team ist bereits in andere Märkte vorgedrungen. «Auf unserer Referenzliste stehen grosse Kosmetikfirmen, und in letzter Zeit zieht das Interesse aus der Chemiebranche an», erklärt der venturelab-Alumni Lichtenberg.
Vorteile gegenüber Konkurrenz
Den Kunden liefert InSphero entweder Gewebeproben oder aber die notwendige Technologie zur Herstellung eigener Proben. Doch immer wieder fragten Kunden an, ob das Unternehmen nicht gleich die ganze Analyse übernehmen wolle. Für Jan Lichtenberg steht allerdings fest: «Wir sind kein Serviceprovider.» Doch auch dieser Kundenkreis kann seit September bedient werden. Die Lösung fand Lichtenberg in Gestalt des renommierten britischen Dienstleistungsunternehmens Cyprotex. Dieses bietet nun auf Basis der InSphero Technologie genau die gewünschte Dienstleistung an. Die Nachfrage nach dreidimensionalen Gewebeproben ist auch anderen Unternehmen nicht entgangen. Es gibt durchaus Konkurrenz. Doch die Zürcher verfügen über wichtige Vorteile. Sie erzeugen die Gewebeproben mit einer speziellen Platte. Oben werden einzelne Zellen in einer Nährflüssigkeit eingefüllt. Auf der Unterseite bildet sich dann ein hängender Tropfen, an dessen Boden die einzelnen Zellen zu einem Gewebe zusammenwachsen. Anders als viele Konkurrenten kommt das System ohne Gerüstmaterialien oder andere Zusätze aus, was ein unverfälschtes Wachstum garantiert.
Darüber hinaus können die Produkte von InSphero leicht in die bestehenden Prozesse der Kunden integriert werden. Das Jungunternehmen liefert die Proben in handelsüblichen Mikrotiterplatten, die für alle automatisierten Testverfahren verwendet werden. Zudem braucht es keine speziellen Analysegeräte. Die Labors können die Ausstattung für die Tests an zweidimensionalen Proben weiterverwenden. Trotz dieser zahlreichen Vorteile hat sich InSphero bei der Markteroberung nicht nur auf harte Fakten verlassen. «Wir haben schon früh einen erfahrenen Verkaufsmitarbeiter mit einem dicken Adressbuch eingestellt», sagt Lichtenberg.
Auch in anderen Bereichen setzt der Firmengründer auf Erfahrung. «Was wir gut beherrschen, ist die 3D-Technologie und der Unternehmensaufbau. Bei allen anderen Funktionen wie zum Beispiel dem Qualitätsmanagement setzen wir auf erfahrene Mitarbeiter, die unser Team ergänzen», erklärt Jan Lichtenberg. Startups könnten solche Leute durchaus finden. Bei der InSphero arbeiten auch über 50Jährige, die ihr Arbeitsleben in Grossunternehmen verbracht haben und nun froh sind, in einem unbürokratischen Startup tätig zu sein, in dem sie viel bewegen können.
Der jüngste Mitarbeiter mit besonderen Fähigkeiten ist allerdings nicht aus Fleisch und Blut. Es handelt sich um einen Roboter von Hamilton Bonaduz, der die erste halbautomatische Fertigungsanlage ergänzt. Das Hightech Gerät in der Grösse eines Kleinwagens befindet sich momentan im Testbetrieb. Er wird in Zukunft vollautomatisch dreidimensionale Gewebeproben herstellen.
Mehr über die TOP 100 auf startup.ch
Die Auswahl der vielversprechendsten Startups der Schweiz wurde von 100 ausgewiesenen Kennern der Startup-Szene bestimmt, die ihre zehn Favoriten mit dem grössten Geschäftspotenzial vorschlagen konnten. Wählbar waren nur Unternehmen, die im Jahr 2007 oder später gegründet wurden. Initiiert wurde die Rangliste der Top 100 vom IFJ Institut für Jungunternehmen, dem Luzerner Journalistenbüro Niedermann sowie der Handelszeitung. Auf www.startup.ch steht das Top 100 Special "Die besten Schweizer Jungunternehmen 2012 Startups" zur Ansicht bzw. als Download zur Verfügung.