Im Jahr 2006 startete Adrian Zwingli mit SwissQ und ist heute als Marktleader der führende Schweizer Anbieter im Bereich Software-Testing. Was damals in einem venturelab-Kurs seinen Anfang nahm, ist heute weiter auf Erfolgskurs. Wir haben mit dem CEO ein Interview geführt und über Kundengewinnung, das Zürcher Silicon Valley und Perfektionismus gesprochen.
SwissQ unterstützt ihre Kunden nicht nur bei der Durchführung von IT Test-Aktivitäten, sondern auch beim Zusammenspiel mit den angrenzenden Disziplinen, insbesondere bei der SW-Entwicklung und dem Requirements Engineering. Darüber hinaus geben die Spezialisten ihr Wissen in zahlreichen Kursen weiter.
Das Geschäft floriert: Das Wachstum konnte abermals um bis zu 30 % gesteigert werden. In Bern gibt es zudem eine Niederlassung, insgesamt zählt das Unternehmen bereits 30 Mitarbeiter. Ausserdem konnte Adrian Zwingli
mit seinem Mitgründer Silvio Moser samt Team bereits die siebte Ausgabe des Swiss Testing Day mit über 750 Teilnehmer/innen organisieren. Wir haben mit ihm ein Interview geführt.
«Adrian, welche Sorgen hättest du dir in den letzten sieben Jahren als Unternehmer sparen können?»
Adrian Zwingli: «Sorgen hatten wir eigentlich keine. Allerdings würde ich weniger auf die internen Prozesse schauen, sondern mehr auf die Mitarbeiter und die Produkte und Services.»
«Was ist eigentlich agiles Testen und was macht Euch dabei so erfolgreich?»
Adrian Zwingli: «Agiles Testen beschreibt eine Denkweise in Bezug auf Software Testing, welche den Beitrag zum Geschäftswert im Fokus hat und nicht Prozesse, Tools und Vorlagen. Wir müssen also in möglichst kurzer Zeit, möglichst viele kritische Fehler in der Software finden. Und das schaffen wir viel schneller als unsere Mitbewerber, was für unsere Kunden ein einzigartiger Mehrwert ist.»
«Ihr könnt zurzeit sicherlich von dem Run der Apps profitieren, oder?»
Adrian Zwingli: «Ja, sehr sogar. Wir testen laufend Apps und haben einen grossen Wissensvorsprung vor anderen Unternehmen. So ist zum Beispiel auch schon Apple auf uns zugekommen.»
«Wo liegt eigentlich Euer Schwerpunkt – sind es die Lehrgänge in Eurer eigenen Academy oder die externen Aufträge?»
Adrian Zwingli: «Die externen Aufträge, sprich die Services, generieren ca. 8x mehr Umsatz als die Academy. Aber die Academy zeigt unseren Wissensvorsprung auf und fordert uns, weiterhin am Ball zu bleiben, um die Marktführerschaft zu verteidigen.»
«Die Software-Welt dreht sich immer schneller. Ihr müsst dabei stets up-to-date sein. Ist das für Euch ein Fluch oder ein Segen?»
Adrian Zwingli: «Klar ist es aufwendig. Aber es zwingt uns, unsere Organisation laufend zu verändern, was schlussendlich wieder ein Wettbewerbsvorteil darstellt. Somit ist es langfristig gesehen ein grosser Vorteil. Auch wenn die Veränderungen die Mitarbeiter mit der Zeit erheblich belasten können.»
«Du hast dich zuletzt selbst weitergebildet und deinen MBA nachgeholt, obwohl du eigentlich bereits ein gestandener und erfolgreicher Unternehmer bist. Wieso hast du das neben deinem Business noch durchgezogen? Was hat dich gereizt?»
Adrian Zwingli: «Als Software Engineer habe ich eine technische Ausbildung. Für das erfolgreiche Führen eines Unternehmens benötigte ich noch weitere Skills. Neben dem Aufbau eines Unternehmens noch ein MBA zu absolvieren war sicherlich sehr herausfordernd. Auf der anderen Seite war ich einer der Wenigen, der gleich alles im Unternehmen ausprobieren und sich so erheblich stärker mit der Materie befassen konnte. Schlussendlich hat es mein Profil abgerundet – neben der Technik kann ich nun sehr gut auch die Bereiche Strategie, Marketing, Finanzen, Self-Development etc. abdecken. Ohne diese Elemente wäre ich zurzeit wohl nicht fähig, ein nun doch schon grösseres Unternehmen zu leiten.»
«Du hast damals für eine grosse amerikanische IT-Firma gearbeitet. Was hat Dich damals gereizt eine eigene Firma zu gründen und wer sollte in der heutigen Zeit ebenso den Schritt wagen?»
Adrian Zwingli: «Mein Mitgründer Silvio und ich konnten bei unseren damaligen Arbeitgebern einfach zu wenig bewirken. Laufend wurden die Prioritäten geändert, Organisationen verändert usw. Von Innovation müssen wir gar nicht sprechen. Bei SwissQ können wir unsere Ideen 1:1 umsetzen. Neue Mitarbeiter sind oft erstaunt, wie wir innerhalb von Tagen neue Services oder Konferenzen aus dem Boden stampfen können. Jeder der Energie und Lust hat etwas zu bewirken, sollte demnach seine eigene Firma gründen. Aber man darf Arbeit nicht scheuen und sollte die Dinge umgehend auch in die Hand nehmen. Von nichts kommt nichts.»
«Ihr habt viele namhafte Kunden in Eurem Repertoire, wie die Migros, UBS, SBB, Phonak, Bundesamt für Informatik… Euer Erfolgsrezept dafür? Und was würdet Ihr heute vielleicht anders machen, um noch schneller an gute Auftraggeber zu kommen?»
Adrian Zwingli: «Ehrlich gesagt haben wir einfach gearbeitet und gewusst, dass mit guter Arbeit auch gute Kunden kommen. Aber wir waren im Sales Bereich noch nie wirklich gut und sind es noch nicht. Ich würde heute noch viel stärker auf gute Kundenbetreuung setzen als früher. Aber es ist immer ein Deal mit der Rarität der Ressourcen, Finanzierbarkeit etc. Aber evtl. macht genau dies den Charme unseres Unternehmens aus. Wir plaudern nicht, wir liefern!» (grinst)
«Gibt es bereits ein kleines Silicon Valles in Zürich, was die Medien immer wieder gern aufgreifen? Wie steht die Schweizer Software Qualität international da? Durch Eure Cases könnt Ihr Euch ja täglich ein Bild davon machen…»
Adrian Zwingli: «Wir wissen aus unseren Markterhebungen über den Zustand der Schweizer IT-Szene, dass die Swissness tatsächlich auch in die Qualität hiesiger Software einfliesst. Kulturell, so scheint es, haben wir einfach ein anderes Auge auf dieses Thema. Aber vom kleinen Silicon Valley sind wir noch weit weg. Die lokale Förderungskultur greift total falsch und die hiesigen Unternehmen und vor allem die staatlichen Organisationen stehen mehr im Weg, als sie nützlich sind. Zum Beispiel verlangte kürzlich ein Bundesamt bei einer WTO-Ausschreibung mindestens 5 Jahre Erfahrung, eine Zertifizierung der internen Prozesse u.v.m. Aber innovative Firmen sind meistens jüngerer Natur und legen weniger Wert auf gute Zertifizierungen, dafür aber auf gute Produkte oder Services. Zum Glück sind wir bereits mehr als 6 Jahre alt und können somit langsam mitspielen.»
«Was sind die Software-Trends der Zukunft? Was müssen vielleicht auch Startups dafür beachten?»
Adrian Zwingli: «Cloud wird wohl allen langsam klar sein. Aber Startups sollen sich eher fragen, wie sie selbst aktiv die Zukunft gestalten können. Nicht im hier und jetzt leben – ausser wenn es um Sales geht – sondern: Wo steht unser Thema in 1 – 3 Jahren? Wo stehen dann unsere Kunden? Sind wir dann am gleichen Punkt?»
«Letzte Frage: Als Test-Ingenieur muss man sehr genau arbeiten und aufs kleinste Detail achten. Bist Du sonst im Leben auch eher ein Perfektionist?»
Adrian Zwingli: «Och, den Tester-Hut kann man nicht so einfach an den Nagel hängen (grinst). "Leider" begleitet dies die Tester auch im Privatleben… Fehler zu machen gehört aber dazu, solange man von ihnen lernt. Lockerer kann ich es beim Mountain-Biken angehen lassen – besonders wenn es konditionell bergauf etwas langsamer geht... Bergab kann es ja dann wieder schneller gehen, aber dann bitte ohne Fehler (lacht).»
«Dann wünschen wir Dir und Deinem Team weiterhin einen guten Drive! Vielen Dank für deine Antworten.»